3. März 2015

Über den Kropf in meinem Bloghals. Oder: Wenn Hirn und Herz sich krümmen

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, das hier war mal ein Blog voller Lebensfreude. Trallafittilust, Spaß anne Freud und am Ruhrgebiet standen im Mittelpunkt. Und dann habe ich mich verliebt. Nein, in keine Zeche oder in irgendein schönes Herbstblatt, sondern in den Mann, der zwei Etagen unter mir wohnt. Man könnte ihn deshalb auch getrost "Nachbar" nennen. Wir haben uns ein Jahr lang aneinander die Zähne ausgebissen, haben uns den Alltag zur Hölle gemacht und wollten das, was nicht passt, unbedingt passend machen. Sowas ist dumm. Aber manchmal ist man halt dumm und ganz manchmal lässt man sich dabei sogar selbst vor die Hunde gehen. Lebensfreude und Trallafittilust gehen flöten, Spaß hat man nicht mehr anne Freud, sondern höchstens noch dann, wenn die Katastrophe grad mal eine Pause macht. Die Kreativität zieht gemeinsam mit der Unbeschwertheit in den Keller und irgendwann beginnt man jeden zweiten Blogpost mit "In letzter Zeit war alles kacke..." und findet das selber voll bescheuert.

Man sitzt dann mit seinem Online-Ich da, das irgendwie ja gar nicht nur das Online-Ich ist, und kann nicht mehr mithalten. Mit dem Lebensfreudeanspruch, der den eigenen Blog diktiert. Man will total authentisch sein, hat aber gar nix mehr zu sagen, was für die breite Masse geeignet wäre und keinem fürchterlich beknackten Seelenstriptease gleichkäme. Also sagt man irgendwann so ziemlich gar nix mehr und vermisst sich auf eine komische Art und Weise selbst. Man vermisst den Menschen und den Blogger, der man eigentlich ist, und fühlt sich mit jedem Post, den man mit zusammengebissenen Zähnen rausgequetscht hat, irgendwie schlecht.


Ich habe mir sehr gut überlegt, ob ich in diesem Kontext überhaupt etwas schreiben will. Ich habe mir sogar noch besser überlegt wie ich das tun kann, ohne dreckige Wäsche zu waschen und ohne zuuu persönlich zu werden. Im letzten Jahr habe ich unter dem Titel "Über den Mut zur Ehrlichkeit" mal einen Post veröffentlicht, in dem ich darüber nachgedacht habe, warum man als Blogger meist nur Schönwetter-Posts online stellt. Warum man aber eigentlich nie darüber schreibt wie kacke das Leben auch mal sein kann, wie weh es tun kann und wie man in Wahrheit mit Gedanken oder Gefühlen hadert und hadert und dass hinter den schönen Fotos von Sonnenuntergängen und toll gedeckten Tischen oft ein ganz anderer Alltag steckt. 

Unter diesem Post wurde damals verdammt viel kommentiert. Viele sprachen sich für mehr Alltagsehrlichkeit aus. Viele fanden den Gedanken toll, sagten aber, dass sie selbst sowas zwar gerne lesen und sowas sehr schätzen würden, aber sich selbst lieber in solcher Hinsicht bedeckt hielten, weil man sich eben lieber nicht zu angreifbar oder verletzlich im www präsentieren möchte. Wieder Andere waren der Meinung, dass sowas auf einem Blog nichts zu suchen hätte und dafür wurden dann unterschiedliche Gründe genannt.

Meine Jetzt-Nicht-Mehr-Beziehung der letzten 12 Monate hat meinen Blog und mich komplett verschluckt. Vielleicht sollte ich das anders formulieren, damit es nicht wie eine Schuldzuweisung klingt. Also: Ich habe zugelassen, dass meine Beziehung meinen Blog und mich verschluckt. Es hat mich schließlich niemand dazu gezwungen, es sei denn, man möchte die Sehnsucht nach "Das muss doch irgendwie alles gut ausgehen!" zur Zwangsmetapher hochstilisieren. 


Es ist nicht gut ausgegangen und ich sitze jetzt mit einem ganz schön großen Loch da, in dem sich Verletzung, Wut, Enttäuschung und die ersten leisen Erkenntnisse tummeln, dass nichts und niemand es wert ist, sich selbst zu verlieren. Weder die Sehnsucht, noch irgendein Mensch. Dass man selbst schuld ist, wenn man Menschen, die einem nicht gut tun, zu nah an sich heran lässt. Dass man kein Hündchen sein darf, das der Sehnsucht hinterher rennt. Es gibt ein Lied von der Band Jupiter Jones, in dem heisst es "Weil Hirn und Herz sich krümmen und dann so vor mir stehen, sie können's selbst kaum glauben, dass sie sich zur Zeit so selten seh'n". Ich zitiere diese Stelle, weil es keine Worte gibt, mit denen ich es besser sagen könnte und ich wünsche mir, dass Hirn und Herz bald wieder Hand in Hand laufen, damit ich wieder ich bin, meine Blogposts nicht mehr mit "In letzter Zeit war alles kacke" beginne und wieder mehr gute Momente, Menschen und Gefühle in mein Leben lassen kann.

Diesen Post schreibe ich, weil ich den Kropf loswerden will, der mir jetzt ein Jahr lang blogtechnisch im Hals saß. Und dafür muss man vielleicht einmal Tacheles reden und einfach die Wahrheit sagen. Ich möchte mir damit selbst einen Schubs in die richtige Richtung geben und gleichzeitig aber auch irgendwie erklären, warum mein Blog sich im letzten Jahr verändert hat, warum kaum noch Trallafitti angesagt war und warum die Posts immer weniger und weniger wurden. Zwar bin ich niemandem online irgendeine Art von Rechenschaft schuldig, aber es fühlt sich für mich einfach richtig an, einmal reinen Tisch zu machen, weil es mich oft traurig gemacht hat, dass Ihr Leser denken könntet "Joa, die hat auch mal besser gebloggt" oder "Hat se wohl keen Bock mehr". Tja. Bock und Lebensfreude haben sich bei mir halt in letzter Zeit auch ordentlich krümmen müssen, um sich überhaupt mal zu Gesicht zu bekommen. Und ich hoffe sehr, dass sich das bald wieder ändert.


Ich wollte Euch von meinem Ausflug nach Holland erzählen und Euch das schöne Strandvideo zeigen. Ich wollte mein Hamburgwochenende und meinen Aufenthalt in der Superbude verbloggen. Und auch ein Hamburgvideo war in the making. Ich wollte Euch Fotos von einer Runde Haldewitzka auf der Halde Hoheward zeigen und beweisen, dass man da ganz toll Drachen steigen lassen kann. Das alles fällt nun flach, weil ich all das nicht allein, sondern mit meinem Jetzt-Nicht-Mehr-Freund erlebt habe und den Teufel tun werde, irgendwelche ziemlich schmerzhaften Erinnerungen hier als locker-flockige Blogposts zu verkaufen. Also werde ich mich jetzt irgendwie bekrabbeln und dann ist heimatPOTTential hoffentlich bald wieder das, was es mal war: ein ehrlicher Platz für Lebensfreude.

Merke: Gefühle sind nur Besucher.
Man kann sie kommen und gehen lassen.

24. Februar 2015

Ein Herz für Affen, Zebras, Wale und Illhill! {Verlosung}

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, wir müssen mal über Krefeld reden. Krefeld ist ja n bisskn arm dran. Nicht Ruhr, nicht Rhein, nicht Fleisch, nicht Fisch, nicht Hü nicht Hott. Ja, ich weiß, Niederrhein und so, aber sind wir domma ehrlich: Krefeld krebst da in seiner Ecke ganz schön alleine rum. Und weil ich diese Einsamkeit schon vor Jaaaahren als solche diagnostiziert habe, habe ich ebenfalls schon vor Jaaaaahren beschlossen, dass die Blogowskis (Netzwerk für pottsche Bloggerinnen) Krefeld einfach adoptieren. Schließlich hat man als solider Pottkopp ja ein großes Herz.

Und wenn wir schomma beim Thema "Herz" sind: In mir wohnt ein groooßes Siebdruckherz! Also nicht dass wir uns falsch verstehen: ICH kann NICHT siebdrucken und ich denke auch nur so mittelgerne an den Siebdruck-Workshop zurück, den ich vor Jahren mal besucht und mich wie ein Vollhonk angestellt habe. Alle um mich herum haben die tollsten Sachen fabriziert und ich habe ein Kopfkissen nach dem anderen versaut. Von meinen Shirts mal ganz zu schweigen. Aber dieses Desaster ändert natürlich nichts daran, dass ich Siebdruck toll finde. Feinste Handarbeit eben. Und deshalb war von Anfang an klar: Wenn ich mir mal irgendetwas Selbstentworfenes würde drucken lassen, dann musset per Siebdruck sein.

Und an dieser Stelle kommen Holger und Marco von Illhill ins Spiel. Die beiden hocken nämlich in - ach was?! - Krefeld und stehen dort für ihr Street-Label Illhill am Sieb. Vor ihrem ursprünglichen Graffiti-Background ist aus einer kleinen Idee mittlerweile ein Label geworden, das namenhafte Künstler einkleidet und mit ganz viel Herzblut für individuelles und vor allem handgemachtes Design steht.

Seit bereits 11 Jahren betreiben Holger und Marco frei nach dem Motto "Quit slackin' and make shit happen" ihr Siebdruckkarussell und sind damit im Krefelder Pionierhaus - einer spannenden Coworking-Location im Samtweberviertel - anzutreffen. Jedenfalls habe ich mich aufgrund des Mottos besonders darüber gefreut, als mir Illhill im letzten Herbst die "Einfach machen"-Beutel für meinen ersten Blogpotential-Workshop gedruckt haben. Passt nämlich wie Arsch auf Eimer.


Und weil ich immer wieder gefragt werde, ob man mir so eine Tasche (hier an der Schulter von Franzi) abkaufen könnte und ich dann immer wieder sagen muss "Ööööh, nein, die Taschen habe ich damals nur für meine Workshop-Teilnehmer anfertigen lassen. Mehr gibbet davon gar nicht.", habe ich mir überlegt, dass ich das ruhig mal ändern könnte. Also nicht dass ich ab sofort im großen Stil Taschen verticken wollen würde, aber so ne kleine Verlosung...die geht doch immer, oder?!

Und weil Illhill ein cooler Verein mit töfftem Gedöns ist, mache ich direkt ne Herzblatt-Verlosung draus! Also wie immer: Ich stelle Euch drei Herzblätter zur Auswahl und Ihr dürft Euch für Ahh, Bäääh odda Tzäääh entscheiden. Darf ich vorstellen?! Die reizenden Kandidaten...


So. Bei Gefallen nennt Ihr mir Euer Herzblatt per Kommentar und dann wird es EINEN Gewinner geben. Also nix drei Gewinne, drei Gewinner, sondern drei Herzblätter und ein Gewinner. Wie im echten (ARD-)Leben. Außerdem müsst Ihr naturelement die freundlichen Teilnahmebedingungen beachten:
  • Volljährige können mitmachen, Minderjährige müssen ihre Eltern anstacheln.
  • In der Lostrommel landen all diejenigen, die einen Kommentar samt Mailadresse hinterlassen. Eine Verknüpfung zum eigenen Blog oder zu einem google+ Profil reicht an dieser Stelle NICHT aus!
  • Kommentare à la "Mir egal, ich finde alle Herzblätter schön" verprellen den Wahlzwang und werden aussortiert.
  • Facebook-Kommentare werden nicht berücksichtigt.
  • Die Verlosung endet am 03.03.2015 um 03:33 Uhr.
Das wäre somit geklärt. Was allerdings schon lange sehr, sehr ungeklärt ist, ist der Gewinner meiner *hust* Weihnachtsverlosung! Ganz viel Asche auf mein Haupt, ich weiß. Ich sollte es selbst mit dem Illhill Motto dringend etwas genauer nehmen und mit der Rumluscherei aufhören. Also, die Weihnachtsverlosung…erinnert Ihr Euch?! Es ging um ein Wohnzimmerkonzert mit Ben Hermanski und Domingo und das darf natürlich nicht einfach unter den Tisch fallen! Trommelwirbel und so...


Liebe Claudi, Du hast in Deinem Kommentar geschrieben, dass Du Dich freuen würdest, mich mal wiederzusehen. Und ich schäme mich in Grund und Boden, aber welche Claudi bist Du denn??? Meine alte Arbeitskollegin??? Das wäre ja n Knaller! Aber egal wer Du bist, Du hast GEWONNEN! Und just in dem Moment, in dem ich das tippe, fällt Emma Plemmplemma vonne Heizung. Ich hoffe, das war ein gutes Omen!

So. Und jetzt ist Herzblatt-Time! 

Merke: Ein Herz für Affen, Zebras und Wale!
Und für Illhill…zum Beispiel auf Facebook: KLICK!

Merke II: Ihr sucht eine entspannte, nette und kompetente Adresse,
um etwas nach Euren eigenen Vorstellungen drucken zu lassen?!
Dann seid Ihr bei Shirtfab richtig!
Dahinter stecken nämlich auch Holger und Marco.
Toller Kontakt und super Ware. Ehrenwort!

19. Februar 2015

Wenn der Kopp nicht durch die Wand geht

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ich ärgere mich. Und ich bin beleidigt. Also über mich und mit mir selbst. Weil ich gerne middm Kopp durch die Wand will, aber weil das nicht geht und weil ich das weiß und trooootzdem mit dem Kopp da durch will. Muaaaah. Kennt Ihr sowas?! Ach, was red ich?! Ich fang lieber von vorne an.

Zu meinem Geburtstag hatte ich mir einen Tag am Meer gewünscht. Hat auch geklappt. 


Alles schöner als schön und so und den - recht gefühlsduseligen - Post darüber horte ich auch schon seit 2 Wochen in meiner kleinen Online-Abstellkammer. Wo das Problem liegt?! Ich muss kurz ausholen: Ich Birni hatte in Holland vergessen, meinen Kamera-Akku zu laden und als nur mittelprächtig organisierter Mensch besitze ich NATÜRLICH keinen Ersatzakku für solche Fälle. Nix Akku, nix Kamera. Einfache Rechnung. Also habe ich relativ schmollig zum ipad gegriffen, das ich eigentlich nur noch für Spotify benutze, obwohl ich eigentlich vor mehr als einem Jahr den totalen "Boah, ich drehe jetzt VIDEOS!" (haha, ja, Plural!) Jeeper hatte. Im Endeffekt habe ich ganz viele Schnipselclips gedreht, um sie dann inmitten der Schnitt- und Bearbeitungsprozedur armselig auf meiner Festplatte verenden zu lassen. Irgendwann hatte ich den imovie-Dreh sogar richtig gut raus, aber etwa zeitgleich ist mir dann wohl blöderweise der Jeeper abhanden gekommen. Und so pflege ich schon lange eine nicht gerade kleine Videoleichenhalle. 

So. Und dann stehe ich da schmollig in Egmond aan Zee am Strand, greife zum ipad, um damit das eine oder andere Foto zu machen und plötzlich fällt mir ein "Och, damit kannste ja auch Videos drehen!". Kein Witz, hatte ich irgendwie komplett verdrängt. Und dann habe ich gefilmt. So richtig mit Jeeper. Und mit Meer. Und Sonne. Und überhaupt.


Und abends auf dem Heimweg lief ein mir bis dato unbekanntes Lied im holländischen Radio, das in meinem Schädelchen direkt eine maximal symbiotische Symbiose mit den Filmaufnahmen einging. Keine 24 Stunden später hockte ich zu Hause aufm Sofa und tackerte völlig selig die vielen kleinen Schnipsel zu einem eeecht schönen Strandvideo zusammen. Und dann habe ich einen Fehler gemacht. Das fertige Video habe ich nämlich mit dem schönen Radio-Heimweg-Song unterlegt. Passte perfekt. Perfekter als perfekt. Ich habe sogar die einzelnen Bewegungen auf die Musiktakte abgestimmt und war echt ganz schön stolz auf das Ergebnis. Und weil ich mich so gefreut habe, habe ich es mir natürlich mindestens 1000x angeguckt. Ich habe es sogar laufen lassen während ich unter der Dusche stand, auch wenn ich es von dort aus gar nicht sehen konnte. Soooo toll fand ich es.


So. Nun habe ich aber keine verdammten Rechte an diesem perfekt passenden Song. Soll heißen: Ich darf das Video in der Form nirgends zeigen. PHÖ! Ja, kann ich verstehen, Recht ist recht, aber TROTZDEM: PHÖ! In meinem Kopf funktioniert das Video nämlich mit keinem anderen Lied auf der ganzen weiten Welt. Das ist so, als ob man Madonna plötzlich Herberts "Bochum" singen lassen würde. Oder als ob die Tagesthemen auf einmal mit der Fraggles-Melodie eingeläutet werden würden. DAS GEHT DOCH NICHT!

Und so sitze ich nun Tag für Tag am Rechner und wühle mich durch lizensfreie Musik. 90% sind - mit Verlaub - Schrott. 7% sind okay und 3% sind sogar schön. Aber diese 3% sind eben trotzdem nicht das Radio-Heimweg-Lied und es fühlt sich einfach sehr, sehr falsch an, wenn ich sie mit dem Video verknüpfe. 


Natürlich habe ich unlängst der betreffenden Plattenfirma und dem Management geschrieben und mein Anliegen auf äußerst herzzerreißende Weise vorgetragen. Interessiert aber niemanden. Noch mal: PHÖ! Außerdem wette ich, dass Ihr den Song, den ich aus beleidigten Gründen hier jetzt extra nicht verlinke, auch alle voll toll finden würdet. Das ist nämlich ein wiiirklich toller Song! Den Interpreten kennt hier in Deutschland eher keine Sau und ich würde voll für ihn werben und schwärmen und sein anstehendes Konzert in Köln empfehlen. Theoretisch. 

Joa. Und jetzt will ich mit dem Kopf durch die Wand und bin wütend auf mich selbst, weil ich nicht einfach die Finger von dem perfekten Song gelassen habe, da ich ja eigentlich ziemlich sehr genau gewusst habe, dass ich ihn eh nicht verwenden darf. Hrmpf.

So. Das wollte ich nur mal gesagt haben. Wenn ich Euch das Video schon nicht zeigen kann, dann muss ich wenigstens davon erzählen. Ich bin nämlich SO beleidigt ob dieser ganzen Kiste, dass ich aktuell noch nicht mal irgendetwas anderes posten möchte. Das ist albern, aber wahr. Und jetzt mache ich das, was ich schon seit Wochen mache: Musik suchen, die dann eh nicht passt. In diesem Sinne: PHÖige Grüße!

(Nachtrag: Jetzt habe ich tagelang auf Audionetwork mühsamst ein paar 3%-Songs rausgesucht, bei denen ich EVENTUELL gewillt war, sie dem Video aufzudrängen. Abgespeichert per Favoritenliste auf der Website, Website aktualisiert, alle Favoriten gelöscht. Gleich heul ich.)

Merke: Nie wieder "verbotene" Musik benutzen.
Auch nicht "für zum Spaß".


4. Februar 2015

Im Pott is alles umme Ecke! Heute: Gent in Flandern {Teil 1}

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, die letzte Zeit war ganz schön doof. Tja, doofe Zeiten kennt wohl jeder. Aber ganz manchmal hat man Glück. Dann fällt einem aus dem Nichts plötzlich etwas Schönes auf den Kopf. So wie damals, als mir zu Schulzeiten mal eine Taube in der großen Pause auf den Kopf gekackt hat. Nur eben umgekehrt. Also in schön. Aber genauso plötzlich und unerwartet.

Genau das war der Fall, als ich am Donnerstag ganz kurzfristig von Visit Flanders gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte, am nächsten Tag gemeinsam mit Fee und Maren für einen kleinen Bloggertrip nach Gent zu reisen. Ich habe nicht mal nachgedacht. Ich habe einfach JA gesagt, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, was mich in Gent erwartet oder ob mir die Stadt zumindest in der Theorie überhaupt gefallen könnte. Ein klarer Fall von "Raus?" - "JO!" in gewagter Kombination mit "Einfach machen!". Und das war das Beste, was mir passieren konnte. Denn wenn man nichts erwartet, kann die Freude über das Schöne noch viel toller reinhauen. Und ich nehme es gerne vorweg: Gent hat reingehauen - und zwar sowas von!


Außerdem hat sich mal wieder bewiesen: Im Ruhrpott is alles umme Ecke, denn mit der Bahn ist man - SCHWUPPS - in Flandern. Flandern ist übrigens ein tolles Wort. Klingt für mich irgendwie nach einer sympathischen Mischung aus Flanieren und Wandern mit einer angemessenen Prise Gemütlichkeit. Außerdem klingt Flandern nach einem Ort, an dem nette Menschen wohnen. Aber dieser gefühlte Phonetik-Eindruck mag auch vielleicht einfach nur meiner Liebe zu den Beneluxländern im Allgemeinen geschuldet sein.

Die meisten Menschen, die nach Flandern reisen, landen vermutlich in Brügge. Brügge kennt man halt. Man weiß, dass es dort sogar so schön sein soll, dass man auch getrost versterben könnte, wenn man die Stadt erst mal gesehen hat. (Wer jetzt denkt: Was redet sie denn da schon wieder?! ...dem sei gesagt, dass es einen Film mit dem Titel "Brügge sehen und sterben" gibt.) Dieser Ruf sei Brügge gegönnt. Aber neben Brügge gerät Gent leider eindeutig ins Hintertreffen. Und damit bin ich ab sofort nicht mehr einverstanden.


Gent ist keine kleine, flämische Stiefschwester von Brügge, sondern ein echter Städtetrip-Star herself! 


Und deshalb lege ich Euch heute meine ganz persönlichen Gentissimo-Tipps ans geneigte Reiseherz und sage: Da MÜSST Ihr hin! Und los geht's:


In baulicher Hinsicht hat mich am meisten die Genter Stadshal beeindruckt. Mitten im historischen Teil der Stadt ragt die asymmetrische Halle mit ihrem 40 Meter langen Holzdach hervor und sorgt für einen so sagenhaften Kontrast, dass einem glatt die Kinnlade runterfällt und man sich wirklich magisch angezogen fühlt. So erging es zumindest mir. Gesichtet, totaaaal maaagischer Moment und "Was ist DAS denn? Da muss ich hin!" gerufen.


Nun seht Ihr diese Hutzeldächer, zieht die Stirn kraus und denkt Euch "Jooo, voooll magisch! Pfff!", aber dann wartet mal ab...


Die Genter selbst haben wohl ordentlich gezetert und aufbegehrt, als der Bau der Stadthalle direkt neben dem Genter Belfried, einem der Wahrzeichen der Stadt und zudem noch Weltkulturerbe (zu sehen auf dem vorletzten Foto), anstand. Stichwort "Verschandelung" und so. Aber als der Bau dann 2012 abgeschlossen war, erkannten die Bewohner von Gent zum Glück doch noch den "WOW!"-Effekt, der sich vor allem auch durch den Kontrast zum historischen Umfeld bietet, und waren begeistert. 


Auch bei Nacht ist die Halle ein echter Hingucker, denn dann ist sie kunstvoll beleuchtet, was noch mal für einen tollen Effekt sorgt. Unter der Halle befinden sich übrigens ein Fahrradparkplatz, eine Kneipe, eine öffentliche Toilette und ein Brunnen.


Bleiben wir noch kurz beim Thema Kontraste, denn man könnte auch getrost sagen: In Gent wird einem ein Cocktail aus Chaos präsentiert - und zwar im allerbesten Sinne. 


Ich habe selten eine Stadt erlebt, in der sich so viele Baustile so lustig die Hand reichen. Nun bin ich ja kein Experte und könnte großartig Bauwerke aus der Renaissance oder der Gotik als solche erkennen und benennen. Aber selbst als Flanier-Laie kann man in Gent den wirklich unglaublich charmanten Mix aus Zeitgeist, Kultur und Geschichte einfach fühlen. 


Imposante Fassaden, bunte Häuser, in sich gebogene Fenster, Burgen, Kirchen, eine Fleischerhalle aus dem 15. Jahrhundert, in der der typische Genter Ganda-Schinken von der Decke baumelt, kleine Flussstraßen mit farbigen Kuttern, Klöster, wunderschön verzierte Brücken undundundundund. Das alles mehr oder weniger direkt nebeneinander bzw. auf einem Haufen. Als Fotofreund kann man hier den Hals wirklich kaum voll kriegen!


Auf dem letzten Foto hier seht Ihr übrigens im Hintergrund das kleinste Café der ganzen Stadt. Und in der Vespa-Rückspiegelung ist die Fleischerhalle zu erkennen. Früher dienten diese Fleischhäuser als überdachte Marktplätze. Heute befindet sich darin das Verkostungszentrum für ostflämische regionale Spezialitäten. Wenn man reingeht, steigt einem direkt ein besonderer Geruch in die Nase, was vielleicht an den großen Genter Ganda-Schinkenbollen liegt, die vom alten, offenen Holzgebälk herabbaumeln. Aber ehrlich gesagt hab ich mir eingebildet, dass man hier einfach die Zeit vergangener kulinarischer Marktstände riechen könnte. Und damit sind wir auch schon beim nächsten Stichwort...


Ich glaube, ich habe selten so viel und so lecker in solch kurzer Zeit gegessen wie in Gent. Also merke: In Gent gibbet nicht nur viel zu sehen, sondern auch noch viel zu futtern, denn die flämische Küche hat tatsächlich nicht umsonst einen ausgezeichneten Ruf!

Schwer beeindruckt hat mich ein Restaurant, das Fast Food anbietet. Ja, genau: Fast Food! Und damit meine ich NICHT die belgischen Pommes, obwohl die natürlich auch nicht zu verachten sind. Kurz nach unserer Ankunft waren wir bei Balls and Glory und bekamen wirklich oberoberobergrandiose, handgemachte Fleischbällchenballen serviert. Fleischbällchenballen klingen unspektakulär?! PHÖ! Aber nicht diese hier:


Diese Klopse sind handgemacht UND gefüllt...und zwar mit den raffiniertesten flüssigen Füllungen überhaupt! Zum Beispiel mit Raclettekäse und Speck oder mit Hühnchen und Apfel oder mit Chicorée und Senf oder, oder, oder. Es gibt Standard-Balls und zusätzlich zwei wechselnde Tagesvarianten. Dazu werden kreative Salate (hier im Bild: Quinoa-Spinat-Salat mit Feta und Roter Beete) und Bauernpüree (Kartoffelstampf meets Möhreneintopf) nebst deftigen Soßen serviert. Ganz ehrlich: Für nicht vegetarische Freunde spannenden Essens ist Balls and Glory eine tiptop Adresse! Und man isst da nicht nur gut, man sitzt da obendrein auch noch schön - und zwar in einem tollen Atrium...


Ebenfalls toll: Man bekommt bei Bedarf die Fleischbällchenballen auch auffe Hand - und zwar an einem Stab zum Abknabbern. Kann ich mir spontan nicht vorstellen angesichts der flüssigen Füllungen, aber zumindest behaupten dies die Herrschaften auf ihrer Website. Beim nächsten Mal werde ich das natürlich pflichtschuldig kontrollieren!

Nun ist die Fleischklopsfront natürlich nix für Vegetarier und Veganer, doch auch in dieser Hinsicht hat Gent eine Menge zu bieten. Aber dazu komme ich später. Jetzt fahren wir erst mal Bötchen!


Flaniert man durch das Genter Zentrum, wandelt man zwangsläufig über die vielen schönen Brücken, die über die Wasserstraßen der Stadt führen. 


Überall entdeckt man Boote und Kutter, Restaurantfähren und Kanus. Weiter oben habe ich Euch schon vom Ganda-Schinken erzählt. Ganda ist das keltische Wort für Gent und bedeutet "Zusammenfluss". Sehr passend, denn Gent liegt am Zusammenfluss von Leie und Schelde. Auf über 400km (!) langen Wasserwegen kann man Gent also auch vom Wasser aus erkunden - ob im Rahmen einer Tagestour oder einer kurzen Entdeckungsfahrt, bleibt der eigenen Lust und Laune, dem persönlichen Zeithaushalt und dem Wettergott überlassen. Und da uns zusätzlich zur eisigen Kälte auch die Zeit im Nacken saß, haben wir nur eine kleine Runde gedreht...


Lecker Sektchen, ein bisskn Sonnenuntergangsromantik, plätscherndes Wasser und so viel spannender Kulissen-Input, dass man gar nicht weiß, wo man hingucken soll! 



Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, eine überdachte Bootstour zu buchen, aber wir Fotojunkies haben selbstverständlich viel lieber gefroren, als auch nur einen Hauch an Ausblick an ein Dach und an etwas Wärme dranzugeben.

Wärme ist ein schönes Stichwort, denn wir sind in Gent wirklich nur freundlichen, netten und gut gelaunten Herrschaften begegnet. (Achtung, was nun folgt, ist kein konkreter Tipp, sondern eine relevante Feststellung!) Ob im Senfladen oder am Waffelstand, ob im Restaurant oder im Kiosk...die flämische Herzlichkeit zog sich durch das gesamte Wochenende und hat mir wirklich den Eindruck vermittelt, dass sich der Genter im Allgemeinen einfach freut, wenn Leute von außerhalb angereist kommen, um seine Stadt zu besuchen. Und das ist heutzutage ja nicht unbedingt selbstverständlich, schließlich wird man an manchen Orten als Tourist auch gerne mal behandelt wie irgendein doofer Hans Wurst, oder?!


Noch etwas in Sachen Herzlichkeit: In Gent wurden wir von echten "Profis" durch die Stadt geführt. Zum Einen war Christopher von der Agentur Visit Flanders extra aus Deutschland mit uns angereist und zum Anderen wurden uns zwei wirklich unglaublich tolle Stadtführer zur Seite gestellt. Nun bin ich an und für sich alles, aber kein Freund von klassischen Stadtführungen. "Zur Rechten sehen Sie Bauwerk Bla vom berühmten Architekten Bla Bla aus dem Jahre Dings mit Einflüssen von Bums..." - ganz ehrlich: da schalte ich nach spätestens 3 Minuten auf Durchzug. Ich möchte eine Stadt emotional kennen lernen können und nicht Unmengen an Fakten, Fakten, Fakten aufgebrummt bekommen, die dann schlussendlich meine Wahrnehmung einfach nur noch überlagern. Somit bin ich unseren Stadtführern mit einer ordentlichen Dosis Skepsis begegnet. Oder noch ehrlicher: Da hatte ich NULL Bock drauf!

Aber wie so oft im Leben kam es anders als man denkt, denn Johan und Annemarie, die uns abwechselnd begleiteten, waren einfach der Hammer! Zwei ältere Semester, die beide auf ihre Art und Weise echte Unikate sind. Mit so viel Herzlichkeit, Humor, Schwung und guten Sprüchen habe ich mich in der Kombination von geballtem Wissen wirklich mehr als gerne durch die Genter Straßen führen lassen. Danke für Eure liebenswerte Gesellschaft! Mit Euch Beiden würde ich auch richtig gerne mal durch das Ruhrgebiet jückeln...


So. Ich merke gerade: Dieser Post artet NOCH mehr aus als ich gedacht hätte. Deshalb mache ich an dieser Stelle einen Cut und erzähle Euch beim nächsten Mal von...och, nö, verrate ich noch nicht. Nur so viel: Es wird lecker und bunt! In diesem Sinne: Tot seins! Ich gehe jetzt inhalieren. Der Grippeteufel hat nämlich mal wieder zugeschlagen...

Merke I: Flandern ist toll!

Merke II: "Einfach mal raus" ist sooo wichtig!

*Dies ist ein gesponserter Post, denn ich wurde von Visits Flanders nach Gent eingeladen, um die Stadt kennen zu lernen und um hier davon zu erzählen. Dafür noch mal ein großes Dankeschön! Trotz Einladung rede ich hier aber nix schön. Meine Freude an der Stadt ist ehrlich. Datt schwör ich auf meine Katzen. Und auf den Genter Belfried!

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