27. April 2015

Deppenannahmestelle?! Is hier nich!

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, das Wichtigste zuerst: Ich habe einen neuen Weichspüler. Und dieser neue Weichspüler ist ein Arsch. Man sieht ihn inmitten vieler anderer Flaschen im Supermarktregal stehen, nimmt ihn in die Hand, schraubt den Deckel ab, schnuppert Probe, denkt sich "Boah, lecker!" und kauft ihn. Dann schleppt man ihn nach Hause, schnappt sich all seine Bettwäsche und vertraut sie gemeinsam mit dem Weichspüler der Waschmaschine an. Und einen Tag später sitzt man zu Hause und fragt sich, seit wann man so schlimme Stinkefüße hat. Natürlich kann das nicht an den eigenen Füßen liegen. Die Turnschuhe müssen schuld sein. Irgendjemand MUSS schuld sein. Ihr kennt das. Also verbannt man die Turnschuhe auf den Balkon. Und abends liegt man im frisch bezogenen Bett und schnallt: Das waren gar nicht die Turnschuhe, sondern der Weichspüler. Der ist nämlich ein mieser Verräter und nun liegt man gebettet in Stinkefüßen. Und hat Pech.

Ekelhaft. Echt.

So. Nun zu den weniger wichtigen Dingen. Ich war am Wochenende wieder bei den Ommas und Oppas im Bottroper Solbad. Ich war nämlich mit dem "Denkdenk, rüttelrüttel, denkdenk"-Ding der Vorwoche noch nicht fertig. Also wieder ab ins muckelige Warmliegebecken. Und während ich da so rumliege, hoffe ich natürlich die ganze Zeit, dass Dschaaaastiiiiihns Mutter nicht beschlossen haben möge, dass sie aus dem Schwimmtraining ihres Sprösslings eine wöchentliche Angelegenheit machen könnte. Aber dann kam es viel schlimmer. (Was ist das eigentlich los mit diesem Leben?! Wieso kommt es ständig schlimmer?! Das ist doch wirklich nicht in Ordnung.)

Hab ich übrigens schomma erwähnt, dass ich voll nicht malen kann?!


Ich lieg da also so rum und denke nach. Wenn die Blubberdinger nicht grad an sind, ist das Wasser sehr ruhig. Fast bewegungslos ruhig. Aber eben nur fast. Das mag ich. Dieses "fast" verändert sich nur dann, wenn andere Personen sich bewegen. Und da die meisten Ommas und Oppas im Warmliegebecken genau wie ich nur rumliegen wollen, verändert sich die Wasserdynamik meist nur dann, wenn jemand das Becken betritt oder verlässt. Dann macht man kurz die Augen auf, ordnet die Wasserbewegung der Person zu, die rein- oder rausgeht, weiß Bescheid und macht die Augen wieder zu. Einfache Kiste.

Und deshalb mache ich mir vor Schreck fast in den Badeanzug, als ich irgendwann einfach mal so kurz die Augen öffne, und direkt neben mir eine sehr wuchtige, ältere Frau sitzt. Wo kommt die denn auf einmal her? Und wieso starrt sie mich an?! 


Ihr müsst Euch das so vorstellen: Ihr sitzt in einem großen Saal auf einem von 1000 Stühlen. Und aus irgendeinem Grund habt Ihr die Augen zu. Euer Gesicht ist zur Bühne gerichtet. Alles ist mucksmäuschenstill. Ihr seid Euch sicher: Wenn jemand den Saal betritt, bekommt Ihr das mit. Saalbetretungen machen schließlich Krach. Und dann öffnet Ihr irgendwann die Augen und links neben Euch sitzt eine Person. Nicht auf irgendeinem der übrigen 999 Stühle, sondern auf dem, der direkt neben Euch steht. Und diese Person guckt nicht zur Bühne, sondern sitzt seitwärts auf dem Stuhl und starrt Euch an. Und zwar sehr freaky.


So war das mit der wuchtigen, älteren Frau. Sie hätte sich überall hinlegen können, aber sie setzt sich direkt neben mich. Und überhaupt! Das ist ein WarmLIEGEbecken! Warum sitzt sie?! Und warum sitzt sie in meine Richtung und starrt mich an?!

Also tue ich das, was man eben so tut: Augen wieder zu und ignorieren. Das geht aber nicht. Denn plötzlich singt sie. Sie starrt mich an und singt "Kein schöner Land in dieser Zeit". Das finde ich SO unheimlich, dass ich noch nicht mal lachen kann. Ich bekomme Gänsehaut. Im WARMliegebecken. Aber ich bleibe liegen. Schließlich war ich zuerst hier. Und überhaupt!

Nach "Kein schöner Land in dieser Zeit" singt sie ein Lied, das ich nicht kenne. Aber es handelt von großem Elend. Das finde ich sehr passend. Dennoch frage ich: "Könnten Sie vielleicht aufhören zu singen?!". Das frage ich sehr nett. Irre soll man schließlich nicht provozieren und auch in flachen Warmliegebecken kann man sicherlich theoretisch gegen seinen Willen grausam und mit Gewalt ertränkt werden. Das möchte ich vermeiden. Ich bin schließlich noch nicht mit dem Denken fertig. Und überhaupt!

Dann macht die Dame etwas, womit ich nun wirklich überhaupt nicht gerechnet hätte: Sie hört auf. Einfach so. Sehr gut. Danke. Ich also wieder Augen zu. Dann spüre ich, dass sich das Wasser bewegt, spinkse durch einen Augenspalt nach der Ursache, sehe, dass sich die Sängerin Richtung Treppe bewegt und bin erleichtert. Augen wieder zu. 

Als ich die Augen etwas später wieder öffne, steht sie direkt vor mir im Wasser. Sie hält ihre 80er-Jahre-Badekappe in den Händen und starrt. Ich denke höchst eloquent "Maaaaah!" und starre zurück. Und dann gießt sie Wasser aus ihrer Kappe ins Becken. Ganz langsam. Wie bei einer hochheiligen Taufe oder so. Immer und immer wieder.


Ich schaue mich hilfesuchend um. Kriegt bitte irgendjemand mal mit, dass da eine Bekloppte ein komisches Badekappenritual mit mir abzieht?! 

Kriegt aber keiner mit. Ich bin wirklich sehr arm dran und wünsche mir Dschaaaaastiiiiihn samt Mutter herbei. Und das will was heißen.

Die Taufnudel zieht die Nummer mit der Badekappe noch 3x ab. Ihren Blick wendet sie dabei nicht von mir ab. Dann hab ich die Schnauze voll und verlasse das Becken. Um meine Flucht möglichst wirkungsvoll zu gestalten, verlasse ich nicht nur das Becken, sondern den gesamten Innenbereich des Solbads, um im Außenbecken pseudozuschwimmen. Dort ist es zwar trotz Beheizung kalt, aber wenigstens bin ich allein und kann mit geschlossenen Augen in Ruhe vor mich hinfrieren.

Aber wie immer im Leben macht man irgendwann die Augen auch mal wieder auf, wenn nicht gerade der Tod umme Ecke lauert. Vom Tod ist zum Glück weit und breit nix zu sehen, aber dafür steht die singende Taufnudel drinnen an einem der Fenster und fixiert mich wie Michael Myers in bester Halloween-Manier. 


Also überlege ich bei wem ich mich beschweren könnte. Und vor allem wie?!

"Entschuldigung, Herr Bademeister, aber da ist so eine Frau, die starrt mich die ganze Zeit an, singt und versucht, mich zu taufen?!"

Ich befürchte, dass man dann eher mich als irgendjemand Anderen für bekloppt halten könnte und verwerfe den Gedanken. Stattdessen schwimme ich zum Innenbereich zurück, gehe mit Todesverachtung an meinem persönlichen Michael Myers vorbei und lege mich wieder in das Warmliegebecken...in der Hoffnung, dass es ihm zu doof sein möge, mir dahin zu folgen.

War ihm bzw. ihr aber nicht zu doof. 

Sie baut sich tatsächlich wieder vor mir auf und zieht wieder die Nummer mit der Badekappe ab. Dabei summt sie. Ich will schreien, aber gleichzeitig will ich mich natürlich nicht bekloppter als die Bekloppte verhalten. Und dann kommt plötzlich eine andere Omma ins Becken getapert, schwimmt auf die Täuferin zu und sagt: "Komm, gib mir mal die Kappe!". Die Kappe wird anstandslos übergeben, die Omma haut mit der Kappe in Richtung Umkleiden ab und ich habe ein sehr lautes "Hallo?! Können Sie die Verrückte nicht bitte auch mitnehmen?!" auf den Lippen. Aber irgendwie wird mir dieser Befreiungsversuch durch einen gewissen Grad an Höflichkeit versagt und schon bin ich wieder allein. Mit ihr. Sie schaufelt das Wasser mittlerweile täuferisch mit bloßen Händen in der Gegend rum und ich kann es einfach nicht fassen.

Was ist das mit mir und den Bekloppten?! Warum finden die mich immer?! Das war schon immer so. Ich kann mitten in einem Karnevalsumzug zwischen tausenden von Leuten in der Bonner Altstadt ganz unauffällig am Straßenrand stehen - zu wem kommen die ganz Behämmerten, um ihre Lebensgeschichte zu erzählen?! Genau. Zu mir natürlich. Ich bin einfach eine wandelnde Deppenannahmestelle, auch wenn ich schon vor Jahren ein entsprechendes Anti-Schild in diesem Kontext kreiert habe:


Tja. Bei Pinterest bin ich letztens über so einen Spruch gestolpert: "Drama does not just walk into your life. Either you create it, invite it or associate with it." Darüber habe ich sehr viel nachgedacht. Unter Anderem auch im Warmliegebecken. Egal ob ich einfach nur irgendwo rumliege, rumstehe, weglaufe oder mich einmauere...die Bescheuerten finden mich. Zielsicher und ohne Gnade. Wenn es nicht so nervig wäre, wäre es schon fast lustig.

Und immer gibt es nur eine Lösung: Man muss gehen. Und am Ende des Tages liegt man dann in Stinkefußbettwäsche. Aber wenn man Glück hat, fällt einem auch dann ein passender Pinterest-Spruch ein. Zum Beispiel: 


Merke: Schäbbige Malkunst passt hervorragend zu schlechter Bildqualität.

22. April 2015

Wo Grusel drauf steht, ist auch Grusel drin! {Verlosung}

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ich steh ja auf Horrorfilme. Und irgendwie bin ich immer wieder ein bisschen darüber betrübt, dass mich filmtechnisch kaum noch etwas schockt. Versteht mich nicht falsch, ich bin sehr wohl ne gefühlsduselige Heulsuse, die sogar bei der Merci-Werbung flennt, aber in Sachen Psycho- und Horrorfilm tangiert mich so gut wie nix. Ich kann mir den fiesesten Mist reinziehen und zucke kaum mit der Wimper. Und das finde ich schade. Denn eigentlich finde ich Gruselei und so voll gut. 

Und deshalb war ich am vergangenen Wochenende im neuen Bottroper Grusellabyrinth.

(Ich mache heute etwas, was ich auf meinem Blog noch nie gemacht habe. Ich verwende größtenteils offizielle Pressebilder. Das mache ich auch nur, weil man in der Attraktion selbst keine Fotos machen darf. Und ganz ohne Fotos...is doch doof.)


Nun muss ich ausholen. Zurück auf März. Im März habe ich nämlich meinen ältesten Freund Micky zum Grusellabyrinth-Casting begleitet. Und einfach mal mitgemacht. Vielleicht erinnert Ihr Euch an meinen verstauchten Finger, der sich ein paar Tage wie sehr gebrochen angefühlt hat?! Ich musste im Stockdunkeln jemanden erschrecken, indem ich ihn mit dem Zeigerfinger anstupse. Und dann habe ich diesem Jemand mit meinem Finger fast die Wirbelsäule durchbohrt, weil ich dachte, dass er noch viel weiter von mir weg stünde. Egal, Karl. Am Ende hat man mir jedenfalls die Rolle der Marie angeboten und ich habe aus Gründen abgelehnt. 

So. Als Micky mich nun fragte, ob ich nicht Bock hätte, mir mal die Show mit ihm anzugucken, dachte ich Folgendes:

1. Na klar!
2. Ich weiß ja eh schon so grob was da passiert. Bin schließlich castingerprobt.
3. Das ist für Kinder ab 8. Wie gruselig soll das schon sein?!
4. Mich schockt ja eh nix.

Pffff.

Meinen ersten wirklich sehr ehrlichen Schreckschrei habe ich schon im Foyer von mir gegeben, als irgendein Clown oder so hinter einer Mauer hervorsprang. Kurz vorher hab ich noch Spässkes gemacht...


Vielleicht mal ein paar grundsätzliche Worte zum Grusellabyrinth: Dabei handelt es sich um eine Art interaktives Theater. Man wird im Rahmen einer Geschichte durch viele verschiedene Räume geführt. Etwa 100 Minuten lang. Es gilt, Marie zu befreien, die in ihrer Traumwelt verloren gegangen ist, und die Zuschauer- bzw. Teilnehmergruppe ist gefordert, diese Traumwelt zu durchwandeln. Und da es sich um eine Familienattraktion handelt, gibbet in dieser Traumwelt weder Blut noch Splattergedöns. Also: Wie gruselig soll das schon sein, ne?!

Tja. 

Am Anfang hab ich noch gelacht. Und dann habe ich mich nonstop an Micky festgekrallt. Ihr denkt jetzt, ich übertreibe. Aber ich übertreibe NICHT! Micky hat immer wieder gemeckert, weil ihm mein Geklammere zu warm und zu nervig wurde, aber ich hab nicht losgelassen und wirklich ziemlich echte Panik geschoben. Keine "Ich streb gleich"-Panik, sondern eine "Boah, hab ich Schiss"-Panik, denn man wird immer wieder in ziemlich stockdunkle Labyrinthabschnitte geführt, aus denen man den Ausweg finden muss. Und in diesen Abschnitten verstecken sich Gestalten. Und diese Gestalten erschrecken einen. Mal mit einem spitzen Schrei, mal mit einer leichten Berührung an der Wade, mal mit einem Gelächter des Todes. Und das hat mich echt feddich gemacht.


Irgendwann hatte ich die genuöse Idee, dass ich einfach immer meine Arme um mich herum bewege, um meinen eigenen Radius abzusichern, denn wenn man die Gestalt im Dunkeln selber entdeckt, ist das nicht so schlimm als wenn die Gestalt einen von sich aus erwischt. Mit anderen Worten: rein in die Offensive! Und ein bisschen hat das auch funktioniert. Denn irgendwann hab ich einen Erschrecker in der dunkelsten Dunkelheit tatsächlich erwischt. "Ha! Hab ich Dich!", hab ich gerufen und ihm mit den Fingerspitzen 3x ganz leicht auf den Brustkorb gepatscht. Und dann habe ich einen Anschiss bekommen, der mich mehr erschreckt hat, als wenn ich mich doch einfach hätte von ihm erwischen lassen.

"Wenn Sie das noch mal machen, fliegen Sie raus!"

In so einem Ton bin ich zuletzt in der 6. Klasse von meinem Erdkundelehrer angemotzt worden, als ich zu laut in meinem Etui rumgekramt hatte. Ich bin vor Schock komplett erstarrt, lediglich die Kinnlade blieb in Bewegung und klappte runter. Zu so einer Schockstarre gehört natürlich, dass man wie angewurzelt stehen bleibt. Also stand ich da in der totalen Dunkelheit und hab einfach nur "Wie krass, wie krass, wie krass!" gedacht. Und dann war plötzlich meine Gruppe weg. Man rennt da nämlich in seiner Ahnungslosigkeit immer schön im Gänsemarsch hintereinander her. Und ehrlich gesagt hat mich eh nie interessiert wo es lang geht. Ich hab mich ja an Micky festgekrallt. Sollte der doch den Ausweg finden!

Aber dann war Micky auf einmal weg. Und die Anderen auch. Und ich bin einfach stehen geblieben. Und hatte eeeeeecht Schiss. Dunkelheit, gruselige Musik, allgemeine Hineinsteigerei. Ich wußte einfach nicht mehr was ich machen soll. Und wenn man nicht weiß was man machen soll, macht man halt nix und steht doof rum. Tja.

Irgendwann hat Micky dann nach mir gerufen und ich bin ganz schnell seiner Stimme hinterhergerannt. 


Während ich das hier schreibe, denke ich: Tsss, klingt ja alles voll nicht dramatisch. Aber ich fand das GANZ SCHÖN SEHR DRAMATISCH! Ein bisschen hab ich mich gefühlt wie vor Jahren mal im Free Fall Tower im Phantasialand. Ich war mit einer Gruppe chronisch psychisch erkrankter Erwachsener im Rahmen meiner damaligen Arbeitsstelle dort und die wollten auf diesen Free Fall Tower, der einfach nur "Mystery Castle" heißt. Ich hab wieder gedacht "Mystery?! Mich schockt ja eh nix!" und bin einfach mitgegangen, ohne zu checken, was mich da eigentlich erwartet. Erst als wir uns in die Fahrgeschäftsitze gesetzt haben und darin festmontiert wurden, als ob gleich eine Teufelsfahrt anstünde, hab ich gerafft, dass mich da wohl kein Kinkerlitzchen erwartet. Und dann ging es auch schon los und ich wäre fast gestorben. Ich hatte halt nicht miteinkalkuliert, dass chronisch psychisch Kranke sehr stark dämpfende Medikamente nehmen, die dafür sorgen, dass sie solch einen Schocker höchstens als kleinen Kitzel empfinden. Mich hingegen hat das völlig ungedämpft und vor allem unerwartet getroffen.

Genauso habe ich mich im Grusellabyrinth gefühlt. Ich hatte das einfach nicht erwartet. Und erst recht hatte ich nicht erwartet, dass ich da so panisch abgehen würde. Ich bin doch schließlich ne coole Schockerbraut. 


Von wegen. 

Micky hatte jedenfalls den Spaß seines Lebens und hat einen Lachkrampf nach dem anderen geschoben, weil ihn meine Panik so amüsiert hat. Ich habe mich in einer Tour umgeguckt, habe jede Ecke inspiziert und alle Wände abgetastet, um mögliche Schreckmomente vorhersehen zu können. Und damit hab ich mich selbst voll bekloppt gemacht.

Jetzt klingt das alles irgendwie ein bisschen nach "Boah, voll schlimm. Würd ich nicht empfehlen!". Dabei ist das Gegenteil der Fall! Wo Grusel draufsteht, ist halt auch Grusel drin. Und das finde ich ziemlich geil. Wer hält denn heutzutage noch, was er verspricht?! EBEN!


Und es ist auch nicht durchweg anstrengend-gruselig. Zwischen den einzelnen Labyrinthabschnitten wird die Geschichte in helleren Themenräumen weiter gespielt, so dass das Ganze eine gute Auflockerung erfährt. Und es gibt auch immer wieder was zu lachen. Viel mehr will ich auch gar nicht verraten. Spoilern ist schließlich doof. 

Nun fragt Ihr Euch vielleicht: "Kann ich da echt mit meiner Familie hingehen, wenn Juli da so viel Schiss inne Buchse hatte?!". Ja. Könnt Ihr! Ganz ehrlich: Nach der ganzen Chose hab ich zu Micky, der dort mittlerweile auf 450€-Basis neben seinem Hauptjob arbeitet, gesagt: "Hömma, und DAS soll was für Kinder sein?!". Und Micky hat mit seiner Antwort sicherlich Recht: Kinder haben da echt Spaß und lachen sich kaputt. Es sind die Erwachsenen, die das viel härter nehmen, weil sie mit ihren eigenen Ängsten konfrontiert werden. Kinder haben in der Regel noch keinen gepflegten Angsthaushalt, versuchen nicht, irgendwelche Risiken abzuschätzen und sind in dieser Hinsicht einfach noch nicht großartig vorgeprägt. Und deshalb können sie das viel lockerer nehmen. Im Gegensatz zu mir zum Beispiel.

Man hat übrigens jederzeit die Möglichkeit, abzubrechen. Man spricht einen Mitarbeiter an und kann die Attraktion sofort verlassen, falls man sich wirklich zu sehr gruselt. Und das wiederum gibt natürlich eine gewisse Grundsicherheit.


So. Nun hab ich schon einige Leutchen darüber meckern hören, dass die Eintrittspreise zu hoch wären. Das finde iiiiich NICHT! Jugendliche und Erwachsene zahlen 19,50€ und für Kinder (unter 12 Jahren) kostet es 2€ weniger. Ja, das ist nicht wenig, aber was zahlt man denn bitte für ne Theaterkarte oder einen Musicalbesuch?! Es handelt sich hier ja nicht um eine kurze Achterbahnfahrt oder so. Das sind 100 Minuten interaktives Theater! Da sind die Preise meiner Meinung nach durchaus gerechtfertigt!


Wie dem auch sei...ich freue mich, dass ich heute 1x 2 Eintrittskarten unter allen Kommentatoren verlosen darf! Was Ihr dafür tun müsst?! Erzählt mir wovor Ihr Euch gruselt. Oder ekelt. Oder grusekelt. Und beachtet wie immer die werten Teilnahmebedingungen:

  • Volljährige können mitmachen, Minderjährige müssen ihre Eltern anstacheln.
  • In der Lostrommel landen all diejenigen, die einen Kommentar samt Mailadresse hinterlassen. Eine Verknüpfung zum eigenen Blog oder so reicht an dieser Stelle NICHT aus!
  • Kommentare ohne Grusel-Ekel-Grusekel-Erklärung verprellen den Erklärzwang und werden aussortiert.
  • Facebook-Kommentare werden nicht berücksichtigt.
  • Die Verlosung endet am 30.04.2015 um 04:30.
  • Der Gewinner oder die Gewinnerin wird von mir per Mail benachrichtigt.

Ach so, einen Tipp hab ich noch: Wenn Ihr dem Grusellabyrinth einen Besuch abstatten und Euch angemessen gruseln solltet, macht nicht das, was ich gemacht habe. Ich habe mich nämlich nicht nur 100 Minuten lang an Micky festgekrallt, sondern dabei auch noch die Schultern hoch und den Kopf eingezogen. Und jetzt habe ich Nacken. Und zwar den schlimmsten Nacken der Welt. So richtig, richtig Aua. Also: Kopp hoch, Schultern runter und Brust raus!

Merke: Tatscht die Akteure nicht an. Dann gibbet Schimpfe.


20. April 2015

Der Justin und der Julius. Und das Geleucht.

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, am Samstagmorgen bin ich ins Bottroper Solbad gefahren und habe mich schön midde Ommas und Oppas ins sogenannte "Warmliegebecken" gelegt. Ich bin nämlich großartig darin, schwimmen zu gehen, ohne zu schwimmen. Ich liege einfach nur im Wasser rum. Wasser ist immer in Bewegung bzw. im Fluss und manchmal brauche ich das eben, wenn ich mir mal wieder einbilde, dass sich irgendein fieser Stillstand an meine Hacken heften will. 

Jedenfalls hat das Bottroper Solbad eine riesige Glaskuppel und wenn man im Wasser rumliegt und die Sonne scheint, kann man der Wassertemperatur von 36 Grad wunderbar noch ein paar Grad Wärme in Form von Sonnenstrahlen hinzufügen. Ich lag dann also da so in der Sonne rum und hab nachgedacht. In regelmäßigen Abständen gehen in dem Becken übrigens so Blubberdinger an und die rütteln die Gedanken dann noch mal anständig durch. Das schadet ja auch nicht. Ich also denkdenk, rüttelrüttel, denkdenk. So zwei Stunden lang. Und dann taten mir meine Hände vom Schwimmflossenaufquelleffekt weh. Also hab ich die Location gewechselt und mich auf eine Liege am Außenbecken gelegt. Das war ein bisschen wie Urlaub. 


Die Sonne glitzert im Wasser und wenn man die Augen schließt, kann man sich einbilden, dass die Schwimmbewegungen vonne Ommas und Oppas im Kraulstil wie Meeresrauschen klingen. Und irgendwie riecht es ein bisschen nach Frühling. Und wenn man da so liegt und dem Bottroper Meeresrauschen lauscht, kommt man nicht umhin, die Unterhaltungen vonne Ommas mitanzuhören. (Die Oppas halten übrigens alle die Klappe. Tatsache.)

"Datt mit dem Rasenmähen is ja im Frühling echt so ne Sache. Da muss man immer aufpassen, datt man nich die Tulpen umsäbelt. Wär ja schade drum."

Jo. Stimmt. 

Ich bin ja nicht nur ein großer Fan von Wahrheiten, sondern auch von kleinen Alltagsgesprächen. Ob an der Kasse im Supermarkt, in der Warteschlange im Kino oder eben im Schwimmbad. Ich höre einfach gerne zu, nicke innerlich, verdrehe die Augen, denke "Du Blödkopp!" oder mische mich ein. Das alles fällt bei mir unter "echte Alltagskomik". Und deshalb laufe ich auch nie mit Musik auf den Ohren durch die Gegend. Ich könnte ja schließlich was verpassen. Das echte Leben zum Beispiel. Oder was Lustiges. Oder eben Beides.

Naja, jedenfalls wurd mir dieses echte Leben auf dem Liegestuhl irgendwann zu kalt und ich hab mich wieder in das Warmliegebeckenblubberdings gemuckelt. Denkdenk, rüttelrüttel, denkdenk. Das alte Spiel. Und dann kam Justin.

Nein, es kam nicht Justin. Es kam Dschaaaaastiiiiiihn! 

So. Ich habe Dschaaaaastiiiiiihn schon doof gefunden ehe ich ihn überhaupt sehen konnte. Dschaaaaastiiiiiihn war nämlich laut. 

Ich gehe doch nicht am einem Samstagmorgen in ein Omma- und Oppaschwimmbad, weil ich Bock auf irgendetwas Lautes habe! Ich will da gefälligst in Ruhe rumliegen, nachdenken und durchgerüttelt werden. Sonst exakt NIX!

Der Plan von Dschaaaaastiiiiiihns Mutter war aber ein anderer. Ihr etwa achtjähriger, bebrillter Schreihals sollte nämlich schwimmen lernen. Im Warmliegebecken. Klar. Direkt neben mir. Auch klar. Muaaaaaaah! MUAAAAAAH!

Hätte Dschaaaaastiiiiiihn da Bock drauf gehabt, wäre das wahrscheinlich nur halb so schlimm gewesen ("Zusaaaaammäääään, zur Seitääää, auseinANDÄÄÄÄR!"), aber Dschaaaaastiiiiiihn hatte da mal so gaaaaaar keinen Bock drauf ("Heulschreiheulbockstänkermotzheuljammerkreischbockheulmimimi!" gefolgt von "Dschaaaaastiiiiiihn, mir reicht's jetzt! KOMM HER! DU KOMMST JETZT HEEEER!"). 

Also habe ich böse geguckt. Sehr, sehr böse. So "Fallt tot um oder löst Euch sofort in Luft auf oder geht unter"-böse. Böser hätte ich eindeutig nicht gucken können. Und natürlich habe ich nicht Dschaaaaastiiiiiihn, sondern seine Mutter böse angeguckt. Dschaaaaastiiiiiihn hatte auf die ganze Nummer ja selbst keinen Bock. Und Unschuldige muss man nicht böse angucken.

Und was macht die Mutter?! Sie lächelt mich an. Und zwar SEHR NETT! Und was mache ich? Ich lächele zurück! MUAAAAAAH! WAS WILL MAN AUCH SONST MACHEN?!

Also habe ich meinen inneren Buddha gesucht. Und nicht gefunden. Gewundert hat mich das nicht. Der hat sich noch nie zu mir verirrt. Also habe ich wieder sehr, sehr böse geguckt. Mutter hat wieder sehr, sehr nett gelächelt. Und ich habe wieder zurückgelächelt. WAS WILL MAN AUCH SONST MACHEN?!

Joa. Gehen. DAS hab ich dann gemacht. 

(Liebe Eltern, falls Ihr das hier lest, bitte merken: Bringt Euren Kindern nicht in Solbädern das Schwimmen bei. Das ist einfach gemein! Und das darf ich sagen. Ich mag Kinder nämlich!)

Zwei Stunden später sitze ich mit Julius im Auto. Ausflugstrallafitti steht an. Aber vorher muss ich tanken. Auf dem Weg zur Tankstelle rege ich mich ausufernd über Justins Mutter auf. Das darf man bei Julius, weil Julius sich über sowas auch wunderbar aufregen kann. 

An der Tankstelle mache ich dann das, was ich immer an Tankstellen mache, wenn ich einen Beifahrer habe. Ehe ich reingehe, frage ich: "Brauchst Du irgendwas?!" - schließlich kann man seinem Beifahrer ja ruhig mal ein Balisto oder so mitbringen. 

Julius brauchte aber kein Balisto, sondern eine Cola Zero. Die Frage hätte ich mir schenken können. Julius braucht nämlich IMMER eine Cola Zero. (Schön, wenn sich manche Dinge nicht ständig ändern!)

Also gehe ich rein, dackle zur Kühltheke, greife nach der ersten Cola Zero und auf der steht:

"Trink eine Cola mit JUSTIN!"

MUAAAAAAH! Bloß nicht! 

Aber: Genau DAS ist die Sache mit der echten Alltagskomik und die find ich ja gut. Also wurde die Justin-Cola gekauft und ich hab den ganzen Nachmittag auf der Halde Rheinpreußen drüber gelacht.

(Super Einleitung, ne?! Auch so schön knackig!)

Also. Die Halde Rheinpreußen ist mein ganz persönlicher Halden-Spezial-Kandidat. Da war ich nämlich schon 2x, habe aber beim ersten Mal gar keine und beim zweiten Mal SO schlechte Fotos gemacht, dass ich darüber nicht bloggen konnte. 

Beim ersten Mal (vor 3-4 Jahren) hatte ich auf dieser Halde ein Date. Im Dezember. Mit Picknick. Im Dunkeln. Bei Minustemperaturen. Und dann ist mir mein Zahnprovisorium abgebrochen. War also total toll.

Beim zweiten Mal (vor 1-2 Jahren) hab ich die höchstschwangere Heidi da hochgejagt und wir haben nur Blödsinn veranstaltet. Dieser Blödsinn sah so aus:


Fragt nicht. Fragt einfach nicht.

Beim dritten Mal (vorgestern) wollte ich eine kleine Grubenlampe mitnehmen, die ich vor Jahren mal aus dem Büro meines Vaters entführt habe. Aber ich wollte sie nicht tragen. Die ist nämlich schwer. So schwer, dass sie Julius die Hose auszieht, wenn er sie sich an den Bund hängt. Also hat Julius die Lampe getragen. Aber mit der Hand. Sehr nett von ihm.

Aber auch irgendwie sehr nett von mir, denn wann immer ich Julius in Haldennähe etwas in die Hand drücke, hat er voll den Schlag bei der Damenwelt...


Das Gute an der Halde Rheinpreußen ist jedenfalls: man latscht nicht lange hoch. Ich bin ja ein Schlappi - vor allem, wenn es bergauf geht. Hier kann man aber mit dem Auto schon ein Stück weit hochfahren und der letzte Laufrest ist wirklich vollkommen vertretbar...im wahrsten Sinne des Wortes.

Auf dem Weg nach oben haben wir dann das gemacht, was man eben so macht: Frühlingsgedöns fotografieren, Zynikerwitze reissen, die Sonne gut finden, auf alles draufklettern, wo man so draufklettern kann und noch mehr Zynikerwitze reissen.


Von dem Ausguck aus gibt es übrigens echt nix zu gucken. Deshalb: Klettert das poröse Ding gar nicht erst hoch. Ist nämlich langweilig. Es sei denn man findet als kurzbeiniger Mensch schon allein die Tatsache ausreichend spannend, dass man fast nicht mehr runterkommt.

So. Weiter. Wie Julius schön treffend formulierte: "Oben ist oben". Oben liegt hier ca. 99 Meter über NN und kommt mit einer vortrefflichen Aussicht und einer schnieken Landmarke daher: Einer ca. 30 Meter großen Grubenlampe, die vom Künstler Otto Piene auf den Namen "Geleucht" getauft worden ist...


Tagsüber ist das Geleucht begehbar. Das heisst, dass man über eine innenliegende Wendeltreppe auf die Aussichtsplattform gelangen und einen noch tolleren Ausblick genießen kann...


Und weil man angesichts eines so tollen Ausblicks meist doch recht ahnungslos inne Gegend rumguckt und rumrät was man so alles sehen kann, ist es eine super Sache, dass einem da ganz viele kleine Mini-Tafeln mit entsprechenden Informationen weiterhelfen...


So. Nun kann man da stehen und diese ganzen Täfelchen auswendig lernen. Oder man macht Quatsch. Wir haben natürlich Quatsch gemacht und von oben runterfotografiert...


Was man da sonst noch so machen kann?! Joa, Leutekino und Hundekino...würd ich mal sagen:


Das mit dem Hundekino lief für mein Empfinden viel zu unorganisiert ab. Also habe ich mich darum gekümmert und erst mal alle Vierbeiner angewiesen, einen Kreis zu bilden. Hat funktioniert...


Aber nur kurz. Danach ist der Mops unaufgefordert auf meinen Schoß gesprungen und ich war klitschnass. Interaktives Hundekino also. Dann bin ich zurück zu Julius gedackelt, um mich über die fehlende Disziplin des Köters zu beschweren. Aber Julius war im Gespräch. Und zwar mit dem Haldenführer Karl Brand.


Karl Brand hatte nämlich meine Grubenlampe gesichtet und wollte sie inspizieren. Von wegen Echtheit und so. Nun habe ich immer "voll echt" gedacht. Stimmt aber gar nicht. Herr Brand hat mal eben - zackzack - klar gemacht, dass es sich nur um eine Nachbildung handelt. Finde ich natürlich nur so mittel. Zum Beweis hat er dann eine echte Grubenlampe hervorgezaubert, um die Unterschiede zu verdeutlichen. Tja. Hatter wohl Recht. Aber das Triple-Grubenlampen-Foto ist trotzdem schön:


Nachdem Herr Brand uns Unwissende so angemessen belehrt hatte, hab ich den Spieß dann mal umgedreht. Ich hatte nämlich ein Schlaumeierbuch dabei. Den "definitiven Haldenführer Ruhrgebiet". Da steht drin, dass die Geleucht-Installation mit 49 Leuchtkörpern gespickt ist, die an und in der Landmarke verbaut sind. Wusste Herr Brand nicht. Zumindest nicht die genaue Anzahl. HA!

Also: Abends erleuchtet das Geleucht in strahlendem Rot. Aber nicht nur die Installation selbst strahlt, sondern sie wird auch noch angestrahlt...und zwar von 35 Leuchtmasten, die dann die ganze Halde in rotes Licht tauchen. Das sieht in der Dunkelheit toll aus, aber tagsüber stehen diese Leuchtmasten doch eher etwas doof rum. Schlimmer noch: Eigentlich sehen die Dinger nach bösen Sciencefiction-Instrumenten aus. Alles sehende Augen, die bei Fehlverhalten komatisierende Blitze aussenden. Oder so.


Aber wenn man die Dinger ausblendet, isset ganz schön. Mit anderen Worten: Maximale Haldewitzka-Trallafitti-Empfehlung!


Und wenn man schomma in der Ecke ist, kann man sich auf dem Rückweg auch ruhig noch die Zeche Rheinpreußen angucken. Dabei muss man nur ignorieren, dass sie von einem hässlichen Matratzenladen verschandelt wird, der sich direkt zu ihrem Fuße niedergelassen hat. Wer erlaubt denn sowas?! Frechheit. Echt.


Joa. So war das mit dem Justin und dem Julius. Und mit dem Geleucht. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Merke: Die Geleucht-Aussichtsplattform ist von April bis Ende Oktober
von 14-18 Uhr (MI, DO, SA, SO) geöffnet.
In den Wintermonaten wird nur am Wochenende
in der Zeit von 13-16 Uhr Einlass gewährt.

13. April 2015

Pottsche Frühlingsmeditation für Hampelmänneken

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, vor vielen Jahren habe ich mal einen Tipp bekommen. Eigentlich war es Kritik, aber an der Kritik hing ein Tipp dran, an den ich noch heute immer wieder gerne denke. Damals habe ich ein Praktikum in einem Kinder- und Jugendzentrum gemacht und fand mich eigentlich ganz gut. Also so praktikumstechnisch. Aber dann nahm mich irgendwann mein Chef beiseite und sagte: "Du guckst nicht richtig hin. Du hast keinen Blick für die Jugendlichen". Ich war spontan beleidigt. "PHÖ! Ich hab VOLL den Blick!", dachte ich. Tja. DACHTE ich. Denn dann hat Cheffe das genauer erklärt: "Du bist zu schnell im Kontakt mit den Jugendlichen. Sie kommen rein, Du rennst hin und gehst sofort in die Interaktion. So kannst Du sie nicht beobachten. Und wenn Du nicht beobachtest, kannst Du nicht richtig sehen."


Aha. Natürlich dachte ich trotzdem "PHÖ! WOHOOOHL!". Aber es änderte nichts daran, dass Cheffe wollte, dass ich mich ab sofort jeden Tag eine halbe Stunde einfach nur an einen Tisch setzte, um die Jugendlichen beim Offenen Treff zu beobachten. Keine Interaktion, kein Gequassel. Und wenn Cheffe das will, dann muss man das auch machen. Fand ich natürlich erst mal total beknackt. Rumsitzen? Langweilig!

Aber das war gut so. Ich habe sehen gelernt. Meine Güte, das klingt fast nach Jesus oder so. Aber es stimmt trotzdem. Mit der Zeit habe ich Gesten, Momente, Mimiken und Stimmungen gesehen, die ich verpasst hätte, wenn ich mich mitten im Gewusel befunden hätte. Und heute weiß ich, dass dies das wahrscheinlich Wertvollste war, was ich in meinem ganzen Sozpäd-Studium gelernt habe. 

Trotzdem vergesse ich das natürlich ständig. Ich bin einfach so'n Hampelmänneken, das immer rumrennt, irgendwas macht und quasselt. Wenn ich auf Trallafitti bin, halte ich es stets mit "Viel hilft viel". Möglichst viele Fotos, möglichst viele Locations, möglichst viele Perspektiven. Immer ganz schnell klick, klick, klick. So bin ich einfach. Aber manchmal erinnere ich mich. Dann fällt mir ein, dass ich auf diese Weise ganz schön viel verpasse. Auch wenn es sich anders anfühlt.


Also habe ich mir in den letzten Tagen Zeit genommen, mir den Frühling im Ruhrgebiet mal RICHTIG anzugucken. Ohne "Viel hilft viel", ohne Hetzerei, ohne schnelles klick, klick, klick. Und das hatte fast etwas Meditatives. Also habe ich mir spontan vorgenommen, das jetzt öfter so zu machen. Aber ganz ehrlich: Werd ich eh nicht machen. Aber vielleicht reicht es auch, sich ab und zu einfach mal daran zu erinnern.


Ich hab irgendwie das Gefühl, dass ich jetzt noch irgendetwas Tolles zu diesen Fotos schreiben sollte. Tja. Sind halt Fotos. Von Blumen. Und so. Angereichert mit meditativer Rumkriecherei in Büschen und Wiesen, schmutzigen Knien, dreckigen Hosenböden und komischen Blicken von diversen Passanten. Wieso guckt eigentlich keiner komisch, wenn ich Konfetti in Pfützen werfe oder auf Halden Karatesprünge absolviere, um Fotos davon zu machen?! Dagegen erscheint mir das Fotografieren von Naturgedöns vergleichsweise doch weitaus harmloser. Sehr mysteriös.


Vor einigen Wochen habe ich übrigens an Berits Fotografie-Workshop teilgenommen, um mich endlich mal an das manuelle Fotografieren heranzuwagen. Was das angeht, habe ich mich bisher nämlich immer wie früher im Matheunterricht gefühlt. Egal wie sehr ich mich bemüht habe...ich hab einfach nix verstanden. Da war tatsächlich immer nur ein stoisches Rauschen in meinem Kopf. Und dieses Rauschen kehrte nun sehr zuverlässig immer genau dann zurück, wenn mir jemand etwas zum Thema "Blende, Belichtungszeit und Co." erzählen wollte. Sehr unpraktisch, wenn man eigentlich lieber KEIN Doofkopp wäre, der seine Kamera grundsätzlich nur um Automatikmodus bedient. 

Jedenfalls hat Berit das Rauschen geknackt! Jetzt brauche ich zwar für jedes Foto mindestens 3x so lange wie früher, aber dafür habe ich nun am Fotografieren auch mindestens 3x mehr Spaß. Ein fairer Deal, finde ich. 


Viel toller als irgendwelche Frühlingsblumen finde ich übrigens die Tatsache, dass es endlich wieder Melonensalat gibt. Ein Leben mit Melonensalat ist nämlich ein gutes Leben! In diesem Sinne: Guten Tag und guten Weg.

Merke: Am Freitag ist in Essen übrigens eine Autoscooterdisco angesagt!
Wie bekloppt und großartig ist das denn, bitte?!

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